Die Ausbildung des Blindenfürhundes
zum zuverlässigen Partner und Begleiter im Alltag.

Auf seinen Stationen zum fertigen Blindenführhund ist die Ausbildung entscheidend. Motivation und Arbeitsbereitschaft werden noch einmal unter die Lupe genommen und das Temperament des Hundes beurteilt, um den richtigen Menschen für ihn auszuwählen.

Brauchen wir überhaupt noch Blindenführhunde, wo unsere Welt doch immer moderner wird, es immer ausgeklügeltere, technische Geräte gibt, die Menschen ohne oder mit wenig Augenlicht den Alltag erleichtern?

Wir sagen ganz klar: „Ja, aber…“

In der Ausbildung berücksichtigen wir intensiv, dass der Blindenführhund eben kein reines „Hilfsmittel“ darstellt. Vielmehr ist und bleibt er als verläßlicher Freund immer eine ganz besondere Unterstützung im Alltag.

Technische Geräte dienen in erster Linie der Erkennung von Hindernissen. Ein gut ausgebildeter Hund zeigt jedoch nicht nur etwa eine Baustelle auf dem Gehweg an, sondern führt seine Person auch auf sicherem Weg drumherum.

Der Hund lernt über 30 verschiedene Hörzeichen kennen. Am Ende seiner Ausbildung kann er links und rechts unterscheiden, Hindernisse am Boden, auf der Seite und in Kopfhöhe des Menschen anzeigen oder umgehen. Auch das Aufsuchen von Fußgängerstreifen, Treppen, Türen, Schaltern, freien Sitzplätzen und öffentlichen Verkehrsmitteln sind Teil der Ausbildung.

Darüber hinaus ist es uns sehr wichtig, dass der Hund auch im Freilauf verlässlich ist, damit er einen Ausgleich in Form von Freizeit genießen kann und genügend Bereitschaft mitbringt, sich seinem Menschen anzuschließen.

Die Ausbildung beginnt mit etwa 1,5 Jahren, nachdem der Hund einem intensiven, medizinischen Check unterzogen wurde und dauert etwa 10 Monate. Gibt es keine gesundheitlichen Bedenken, kann der Hund aus seiner Patenfamilie zu einem/ einer Trainer/in umziehen. Auch hier lebt er in häuslichem Umfeld, da wir die Zwingerhaltung ablehnen.

Als gemeinnützige Stiftung sind wir besonders froh, dass wir auch Hunde, die zwar die strenge gesundheitliche Untersuchung bestanden haben, aber dennoch etwa einen zu starken Jagdtrieb besitzen, oder denen die Arbeit im Führgeschirr keinen Spaß macht, auch in der bereits begonnenen Ausbildung noch ausschließen und als Familienhunde weiter betreuen können.

Ein „rein wirtschaftliches“ Arbeiten ist so nur schwer möglich, weshalb wir uns immer über Spenden freuen. Wir sind davon überzeugt, dass sich nur so auf lange Sicht zuverlässige und zufriedene Mensch- Hund- Teams ausbilden lassen.

Um den „optimalen Hund“ für den „optimalen Menschen“ zu finden, können sich 2- und 4- Beiner bereits während der Ausbildung zum ersten Mal kennenlernen. Dieser „Infokurs“ findet in den Räumlichkeiten der Stiftung statt. Hier übernachtet der blinde oder sehbehinderte Mensch gemeinsam mit dem Hund in unseren Gästezimmern. Er füttert „seinen“ zukünftigen Hund, geht mit ihm „Gassi“ und arbeitet mit einem unserer Trainer oder Trainerinnen. Nur wenn hier beidseitig „die Chemie stimmt“, werden nach abgeschlossener Ausbildung weitere Schritte zur Einarbeitung in den Räumlichkeiten der Stiftung und am Wohnort seines zukünftigen Gespannführers oder seiner zukünftigen Gespannführerin geplant.

Übrigens: Blindenführhunde werden auch darauf trainiert, in bestimmten Situationen selbstständig Entscheidungen zu treffen und aktiv den Gehorsam zu verweigern. Dies ist zum Beispiel bei Rolltreppen und an Bahnsteigen der Fall.

Damit der hohe Standard der Ausbildung über die Jahre gewährleistet bleibt, werden die Gespanne ein Hundeleben lang durch uns nachbetreut.