Das Leben eines angehenden Blindenhundes in einer 5er WG

Seit der Gründung unserer WG im Januar 2018 hatten wir immer wieder Hunde zu Besuch. Ob nur für ein paar Stunden, oder auch für einige Tage – der Hundebesuch hat uns immer ganz besonders gefreut. Als eines Tages unsere Mitbewohnerin erfuhr, dass die Hündin einer Freundin trächtig ist und noch Patenfamilien für die Welpen gesucht werden, waren wir sofort Feuer und Flamme. Ziemlich schnell waren wir uns einig, dass wir uns bei der Stiftung Deutsche Schule für Blindenführhunde als Paten bewerben wollten, um einen der Welpen von Odette aufzunehmen.

Das erste Mal die Welpen zu sehen war überwältigend. Es vergingen anschließend 28 Tage voller Vorfreude und Erwartung auf die kleine Yakari. Zu Hause angekommen vergingen die ersten Tage wie im Fluge. Nachts schlief Yakari in einem umfunktionierten Druckerkarton und hielt Herrchen auf Trab.

Auf den Spaziergängen hieß es von Anfang an: „Wir lernen alles kennen und müssen keine Angst haben“. Es wurden insgesamt mehrere Stunden Mülltonnen gestreichelt, um die Angst davor zu verlieren und bei strahlendem Sonnenschein mit Schirm spazieren gegangen. Yakari sollte sich an alle Situationen des Alltags gewöhnen. Zusätzlich zu den wöchentlichen/zweiwöchigen Terminen in der Führhundschule besuchten wir auch privat noch einen Welpenkurs.

Von Anfang an wurde auch das Training mit U- Bahn und S-Bahn aufgenommen. Es kam nicht selten vor, dass wir unsere Zeit mit Yakari auf Bahnsteigen verbrachten oder später vier Stationen vor und zurück fuhren – nur um zu üben. Egal, wo wir mit Yakari waren, zog sie die Aufmerksamkeit aller Mitmenschen auf sich und viele sprachen uns an und bewunderten unser Engagement. Es fanden auch viele ausgedehnte Spaziergänge im nahegelegenen Grunewald statt. Oft auch mit ihrer Mama Odette, die mit der Zeit den Namen Yakari erkannte und sich fortan schon immer tierisch auf ihr Töchterchen freute. Im Sommer bei 30 Grad ging es gemeinsam schwimmen. Der nahegelegene Grunewaldsee bot eine angenehme Abkühlung.

akari aus dem Wasser zu bekommen, war oft eine Herausforderung. Zu Hause ist das Leben mit der Zeit entspannt geworden. Es wird trainiert, viel gekuschelt, aber meistens geschlafen. Vor allem seit ihrer Läufigkeit ist Yakari deutlich ruhiger geworden und genießt noch mehr die Nähe zu „ihrer WG“. Wir sind uns alle einig, dass etwas fehlen wird, wenn dieser aufgeweckte Hund ab Mitte nächsten Jahres einen nicht mehr so fröhlich zuhause begrüßen wird. Wir werden sie vermissen.